Monatsarchiv: Februar 2007

Herzlich Willkommen! Serdecznie witamy!

Meine neue Website ist endlich fertig. Nun gehöre also auch ich zur Generation der Blogger … Bob Dylan, der große Meister, hat also Recht gehabt: The times, they are a changin …

Ich werde nun an dieser Stelle immer mal wieder mitteilen, was es Neues gibt … Zum Beispiel habe ich am Donnerstag, 15. Februar, um 20 Uhr eine Lesung aus „Schweigen die Täter, reden die Enkel“ in Blaustein-Herrlingen bei Ulm. Nähere Infos zu Ort und Veranstaltung hier.

Dank an Jens Luniak, ohne den ich noch immer ebenso bloglos wie verzweifelt im Café Telegraph oder im Café Dommayer sitzen und den ungenutzten Möglichkeiten des weltweiten Netzes nachtrauern würde.

Uwe von Seltmann Foto: Gabriela Maciejowska

Einen herzlichen Gruß aus Leipzig
UvS

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Sex in Schlesien/Seks na Slasku

Der Schnee ist ein Lügner. Er vertuscht und verdunkelt und täuscht eine Reinheit vor, die es nicht gibt. Ich schaue aus dem Fenster im sechsten Stock und kneife die Augen zusammen, weil mich das Weiß blendet.

Ich wünsche, der Schnee wäre schmutzig und grau, so wie die Häuser gegenüber und die Fabrik im Tal. Die Häuser und die Fabrik sind nicht zu sehen. Die dicken Flocken haben einen Vorhang zwischen ihnen und mir gewebt, ich bin allein. Im Fernsehen laufen Männer auf Skiern einsam gegen die Uhr, ich habe den Ton abgestellt, denn ich verstehe die Sprache nicht. Ich öffne das Fenster und lehne mich hinaus, der Schnee auf dem Rahmen schmilzt und tropft herab. Auf dem Linoleumboden bildet sich eine Pfütze. Weiterlesen

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Schweigen die Täter, reden die Enkel

Schweigen die Täter, reden die Enkel (Fischer-Taschenbuch)

Auch für den Journalisten Uwe von Seltmann, Herausgeber und Mitautor von Schweigen die Täter, reden die Enkel, führt die Recherche nach der Rolle seines Großvaters bei der Niederschlagung des Warschauer Ghettoaufstands zu Konflikten mit Angehörigen seiner Familie. Auf die Bitte, ihm Fotos, Briefe, Dokumente und Tagebücher seines Großvaters zur Verfügung zu stellen, erhält er diese Antwort von seiner Tante: „Ich bin weit davon entfernt, ihm seine SS-Zugehörigkeit zum Vorwurf zu machen – und Du solltest das auch nicht tun. Im Gegenteil: Ich habe großen Respekt vor der ,Lebensleistung‘ meines Vaters, der ja nur 28 Jahre alt geworden ist.“
Uwe von Seltmann, der sich, ohne etwas davon zu ahnen, sich auf den Spuren seines Großvaters bewegte, begegnete zufällig in Krakau – während einer Recherche über jüdisches Leben in der hiesigen Synagoge – einem Überlebenden des Holocaust, der ihm nach kurzem Gespräch auf den Kopf zusagte: „Sie interessieren sich für Juden, weil Sie sich schuldig fühlen. Sie fühlen sich schuldig für das, was Ihr Großvater getan hat, was es auch immer war.“ Das war der Moment, in dem er seinen Großvater hasste.

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An einem Tag im August

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„In jedem Glück steckt bereits ein Kern der Katastrophe ­ und in jeder Katastrophe steckt der Kern für ein neues Glück.“ Was geschah mit Alexander Bromberg, dem erfolgreichen Westfabrikanten, der sich am Freitag, dem 13. August aufmachte, um mit seiner Geliebten Jaqueline ein schönes Wochenende an einem See in der Oberlausitz zu verbringen? Während Jaqueline wartet, sich Sorgen macht, zu viel raucht und ihre Beziehung überdenkt, erfährt Alexanders Frau von dem Verhältnis ihres Mannes. Durch das Verschwinden des Wessis im Osten kommt eine Lawine ins Rollen. Was hat beispielsweise der „Boss“ in Springerstiefeln und mit Kurzhaarschnitt damit zu tun? Und seine Jungs, die ihm bedingungslos gehorchen und ihn bewundern? Oder Danilo Duffke, der den „Boss“ anhimmelt, weil der ihm Selbstvertrauen und Halt gibt? Plötzlich ist man mitten drin im braunen Sumpf der Vergangenheit, und doch spielt die Vergangenheit kaum eine Rolle. Es geht vielmehr um die Befindlichkeiten zwischen Ost und West, zwischen reich und arm, zwischen anerkannt und abgewickelt. Weiterlesen

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Karlebachs Vermächtnis

Karlebachs Vermächtnis

„Darf man so über den Holocaust schreiben? Darf man Holocaust und Humor miteinander verbinden?“ – ­ „Ich habe keine Probleme damit. Juden, die das Buch gelesen haben, übrigens auch nicht.“

Opa Bernhard hinterlässt seinem jungen Freund Ulrich Weißmann kurz vor seinem Tod eine rätselhafte Nachricht. Der ewige Theologiestudent und Schreibknecht bei einer Lokalzeitung versucht, hinter das Geheimnis des Judenhauses in seinem Heimatdorf Merklinghausen zu kommen. Er befragt die Bewohner, stöbert in Archiven und muss schnell merken, dass jemand daran interessiert ist, die Ereignisse der Vergangenheit im Dunkeln zu belassen. Weiterlesen

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Eine Stunde zur Nacht ist noch nicht Nacht

Der jiddische Dichter Josef Burg verkörpert eine untergegangene Welt

Foto Josef Burg

Es gibt eine Zeit in seinem Leben, über die Josef Burg nicht spricht. Er hat keine Worte für die Jahre von 1940 bis 1980, „die 40 besten Jahre im Leben eines schaffenden Menschen“, wie der Dichter und Erzähler mit brüchiger Stimme sagt. „Es waren verlorene Jahre.“ Er schüttelt den Kopf, fällt in sich zusammen und schweigt. Sein Blick schweift ins Leere, so als ob er diese 40 Jahre noch einmal im Zeitraffer an sich vorbeiziehen lässt. 40 Jahre, in denen er bestenfalls kleinere Erzählungen in Zeitschriften wie „Sowetisch Heijmland“ veröffentlichen durfte, aber keine Bücher. Ein halbes Menschenleben, in dem er jahrelang gar nichts schrieb. „Ich hätte damals sowieso nicht schreiben können, selbst wenn ich gewollt hätte. Das war eine finstere Zeit, für alle Schriftsteller.“ Weiterlesen

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Wider das Vergessen

Wie der erzgebirgische Schnitzer Gottfried Reichel den Juden des Warschauer Ghettos ein Denkmal setzt und Gebete aus Lindenholz schafft

Das Wunder geschieht an Weihnachten, ein Jahr, sieben Monate und 17 Tage nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Weit weg von der Heimat, in der Gegend von Manchester. Ein junger Mann aus dem Erzgebirge, Gottfried Reichel heißt er, ist auf der britischen Insel als Kriegsgefangener in einem Lager interniert. In seiner Jugend haben ihm die Nationalsozialisten eingeimpft, die Feinde des deutschen Volkes zu hassen und zu vernichten, und zu diesen Feinden zählen auch die Engländer. Reichel, in dessen Elternhaus Christenkreuz und Hakenkreuz gleichermaßen verehrt wurden, hat der Propaganda Glauben geschenkt. Er vertraut ihr so sehr, dass er Angst hat, den Endsieg zu verpassen. Und so meldet er sich als 19-Jähriger freiwillig an die Front und wird noch im Spätsommer 1944, als der Krieg längst verloren ist, Mitglied einer Eliteeinheit: der 3. SS-Panzerdivision Totenkopf. Befehlshaber dieser mörderischen Verbände war Theodor Eicke, ehemaliger Kommandant des Konzentrationslagers Dachau. Weiterlesen

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