Schweigen die Täter, reden die Enkel

Schweigen die Täter, reden die Enkel (Fischer-Taschenbuch)

Auch für den Journalisten Uwe von Seltmann, Herausgeber und Mitautor von Schweigen die Täter, reden die Enkel, führt die Recherche nach der Rolle seines Großvaters bei der Niederschlagung des Warschauer Ghettoaufstands zu Konflikten mit Angehörigen seiner Familie. Auf die Bitte, ihm Fotos, Briefe, Dokumente und Tagebücher seines Großvaters zur Verfügung zu stellen, erhält er diese Antwort von seiner Tante: „Ich bin weit davon entfernt, ihm seine SS-Zugehörigkeit zum Vorwurf zu machen – und Du solltest das auch nicht tun. Im Gegenteil: Ich habe großen Respekt vor der ,Lebensleistung‘ meines Vaters, der ja nur 28 Jahre alt geworden ist.“
Uwe von Seltmann, der sich, ohne etwas davon zu ahnen, sich auf den Spuren seines Großvaters bewegte, begegnete zufällig in Krakau – während einer Recherche über jüdisches Leben in der hiesigen Synagoge – einem Überlebenden des Holocaust, der ihm nach kurzem Gespräch auf den Kopf zusagte: „Sie interessieren sich für Juden, weil Sie sich schuldig fühlen. Sie fühlen sich schuldig für das, was Ihr Großvater getan hat, was es auch immer war.“ Das war der Moment, in dem er seinen Großvater hasste.

Auch von Seltmann versucht, die wahre Geschichte seines Großvaters zu ergründen. Dabei kommen ihm immer wieder Zweifel: Warum rühre ich in diesem unappetitlichen braunen Schlamm und wühle dabei mich selbst und andere auf? Warum gerade ich? Dabei stellt er immer wieder Ähnlichkeiten mit seinem Großvater fest: Er bereist dieselben Orte, ist mehrfach umgezogen, ist ein Bücherfreund und hat – wie sein Großvater – selbst bereits ein Buch geschrieben. Eine Psychologin meinte gar, er führe eine Familientradition fort. Für von Seltmann ist dieser Gedanke, vielleicht ähnliche Charakterzüge wie sein Großvater zu haben, niederschmetternd: „Oh Gott, wenn es so viele Wesensähnlichkeiten gibt, hätte ich dann auch ? Wie hätte ich mich im Dritten Reich verhalten? Wäre ich auch zu Verbrechen fähig?“

Uwe von Seltmann und Claudia Brunner sind trotz aller Schwierigkeiten überzeugt, das Richtige zu tun. Sie wollen die Familiengeschichte aufarbeiten und zeigen auf sehr persönliche Weise, wie die Vergangenheit bis in die Gegenwart fortwirkt. Beide Autoren haben mehrfach erlebt, dass ihr offener Umgang mit diesem Thema viele andere erst zum Reden bewegt. Erst dadurch wird Bewusstmachung und Aufarbeitung möglich. Auch wenn sich moralische Schuld nicht vererbt, ist eines offensichtlich, so Uwe von Seltmann: „… die psychischen, moralischen und sozialen Folgen beschädigen noch die folgenden Generationen. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart hinein, wirkt in uns weiter, ob es uns passt oder nicht. Das Thema NS-Zeit ist auch in der dritten Generation aktuell.“

Pressestimmen:

Uwe von Seltmann, 40, dessen Großvater als Mitglied der Waffen-SS beteiligt war an der Liquidierung des Aufstands im Warschauer Ghetto im Frühjahr 1943, fahndet nach Opas mörderischen Spuren. Programmatischer Titel: „Schweigen die Täter, reden die Enkel“.
Stern

Die Anstrengung, die dicke Mauer des Schweigens über einen nationalsozialistischen Mörder zu brechen, potenziert durch eine gewisse Tendenz zur Unbarmherzigkeit gegen sich selbst. Wobei in dieser „dritten Generation“ das Persönliche weit in den Vordergrund gerückt ist.
Der Standard (Wien)

Es ist zu wünschen, dass das Buch vielleicht auch andere Enkel dazu motivieren könnte, das Schweigen der Täter zu durchbrechen und in ihrer Familie nachzufragen. Als einen Schritt wider das Vergessen. Damit könnte ein neues Kapitel im Umgang mit der NS-Vergangenheit aufgeschlagen werden.
ORF 1

Das Buch von Claudia Brunner und Uwe von Seltmann ist etwas Besonders. Denn es beschäftigt sich mit dem schmerzhaften Prozess der Wahrheitsfindung innerhalb der Familien.
Kölnische Rundschau

Claudia Brunner und Uwe von Seltmann erzielen im Kleinen eine ähnliche Schockwirkung wie die erste Wehrmachtsausstellung im großen Maßstab.
Der Falter – Stadtzeitung Wien

Nüchtern und trocken werden die grausamen Fakten über das Wirken der Verwandten geschildert. Die Autoren verhehlen aber auch nicht, dass die historische Aufarbeitung eine psychische Strapaze ist, dass innere Krämpfe die Enkelgeneration durchwühlen.
Salzburger Nachrichten

Die vielfach bemühte Stunde Null war und ist eine Illusion, schreibt Uwe von Seltmann. Unter Verbrechen der Nationalsozialisten darf es keinen Schlussstrich geben. Die nötige Arbeit hat sich der Autor bereits im Roman „Karlebachs Vermächtnis“ gemacht. Für das neue Buch „Schweigen die Täter, reden die Enkel“ fand von Seltmann eine Verbündete, die wie er sich um Tabus nicht schert.
Sächsische Zeitung

Die Entdeckungen sind überraschend und schmerzlich zugleich. Jahrzehntelang haben die Familien geschwiegen, jetzt sind es die Enkel, die sich mit der finsteren NS-Vergangenheit ihrer Vorfahren beschäftigen.
SWR

„Das Thema NS-Zeit ist auch in der dritten Generation aktuell“, betont auch Uwe von Seltmann. Und obwohl sich die AutorInnen darin einig sind, dass sich moralische Schuld nicht vererbt, bleibt doch ein Unwohlsein, das diesen dokumentarischen Band speist und das nur durch den offenen Umgang mit dem Thema zu lindern scheint.
Taz

Beeindruckend ist, wie sich auf Reisen, Begegnungen, Schriftstücken und aufwändigen Recherchen ein Mosaikstein nach dem anderen zusammenfügt, und so allmählich ein Bild dieser Männer entsteht.
Der neue Tag

Uwe von Seltmann übernimmt Verantwortung. Zwar nicht für die Taten seines Großvaters, sondern geschichtliche Verantwortung, indem er dazu beiträgt, dass die Erinnerung an die Verbrechen des deutschen Faschismus und damit zugleich auch an die Opfer wachgehalten und nicht verdrängt wird.
http://www.literaturkritik.de

Faszinierend und beeindruckend zu lesen, wie die eigene Geschichte von der Geschichte der Vorfahren geprägt wird.
Die Berliner Literaturkritik

It is a great book. It gives me a rare insight of the denial mechanism.
Tova Korczyn (TV-Journalistin, Israel)

 

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Bücher, Pressestimmen

7 Antworten zu “Schweigen die Täter, reden die Enkel

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  5. Von der Lesung am 11.01.2010 in KW, brachte mein Ältester mir das Buch mit. Nun habe ich es gelesen, verschlungen und bin gleichzeitig erschrocken wie auch getröstet, weil dieses „I wills gar net wissen…net so genau…“ buchstäblich den Nagel auf den Kopf trifft und in meiner Familie (der meines Vaters) gesungen sein könnte. Dieses Buch wirft für mich aber auch die Frage, den stillen Vorwurf auf, ob ich allzeit richtige Fragen gestellt habe bzw. das ich diese schnell stellen muß, da sonst die Kinder (Nichten und Neffen)nicht mehr antworten können!
    Mit freundlichen Grüßen
    Mandy aus dem Brandenburger Wald

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  7. Eva Maria Hämmerle

    ORF 1 hat heute in Hörbilder eure Geschichte ausgestrahlt. Ich war sehr betroffen, habe mich deshalb im Internet weiter informiert.
    Ich bin sehr dankbar, dass dieses VergangenheitsTabu gebrochen wird. Es ist ein sehr schwerer Weg, schmerzlich … Bitte arbeitet weiter! Für die nächste Generation! Dunkle Dinge müssen ans Licht.
    In Christus haben wir die Erlösung durch sein Blut und die Vergebung der Schuld nach dem Reichtum seiner Gnade. Gott segne euch.
    mit freundlichen Grüßen Eva Maria

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