Monatsarchiv: März 2007

Heimat und Patriotismus – zehn Thesen

  1. Jeder Mensch braucht Heimat und hat ein Recht auf Heimat.
  2. Heimat bedeutet Geborgenheit, Verbundenheit und Erinnerung. Sie prägt das „unbewusste Selbstbewusstsein“ und die Identität.
  3. Heimat braucht einen Ort, Menschen und Sprache. Im Zeitalter der Globalisierung sehnen sich die meisten Menschen mehr denn je nach etwas, das ihnen die Angst vor dem Verloren- und Unbehaustsein nimmt.
  4. „Heimat ist wie die Luft, die man atmet – man wird ihrer voll bewusst, wenn sie verschwindet oder vergiftet wird“ (Fritz Stern).
  5. Verlorene Heimat verursacht Schmerz: Heimweh.
  6. Menschen, die ihre Heimat verloren haben (Vertriebene, Flüchtlinge, Asylbewerber; auch moderne Jobnomaden), haben ein Recht darauf, ernst genommen und gehört zu werden. Nur dann ist es ihnen möglich, sich eine neue Heimat aufzubauen, am Aufbau einer neuen Heimat mitzuwirken und sich für Versöhnung einzusetzen. Versöhnung erhellt die Vergangenheit anstatt sie mit Ressentiments zu verdunkeln.
  7. Heimat steht stets in der Gefahr, verkitscht („Heimat, deine Sterne …“) oder ideologisch überhöht zu werden (Revisionismus, Chauvinismus, Nationalismus). Sie ist es wert, vor diesem Missbrauch geschützt zu werden.
  8. Die Grenzen zwischen Patriotismus und Nationalismus sind oft fließend. Patriotismus kann von seinem eigenen Land und dessen Errungenschaften (Demokratie, Sozialsystem, Lebensqualität, Kultur) schwärmen, ohne sich absolut zu setzen; er bleibt weltoffen und achtet das Andere und die Anderen. Nationalismus hingegen gründet auf einem Überlegenheitsgefühl, das sich auf– und andere abwertet; er wirkt zerstörerisch. Nationalismus ist ein Signum rechtsextremistischen Gedankenguts und mit dem jüdisch-christlichen Menschenbild nicht zu vereinbaren.
  9. Der christliche Glaube ist von Beginn an universalistisch angelegt. Er kennt keine Grenzen – weder in sozialer noch in geographischer Hinsicht. Diesem Ideal haben Christen und haben die Kirchen oft zuwider gehandelt („Gott mit uns“). Kirche sollte hingegen allen Menschen eine Heimat bieten wollen.
  10. Christen haben jeder Vereinnahmung durch nationalistische und völkische Ideologien zu widerstehen. Ihre ureigene Aufgabe ist es, die menschenverachtenden, antidemokratischen und häufig auch antisemitischen Strömungen des Nationalismus aufzuzeigen und ihm Alternativen entgegenzustellen.

Diese Thesen habe ich für eine Tagung verfasst, die heute in der Evangelischen Akademie Meißen stattfand. Mitveranstalter waren die Evangelische Erwachsenenbildung Sachsen und Kulturbüro Sachsen e.V. Es war eine gelungene Veranstaltung – Tagungen dieser Art sollten öfter stattfinden.

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Eine gute Nachricht …

… für mich und die Menschheit: Ich bin wieder fit. Wurde auch Zeit, denn zwei Wochen malad zu sein, lässt sich noch ertragen, aber in der dritten Woche wurde es mir dann doch etwas fad – vor allem, weil ich’s zu meinem großen Verdruss nicht nach Krakau geschafft habe. Nun sitze ich also wieder mal im Café Telegraph, denn auch die Telekom hat etwas nicht geschafft: mir zum versprochenen Termin den Zugang zum weltweiten Netz zu ermöglichen. Aber immerhin: Es hat schon jemand angerufen und sich entschuldigt!

Doch nun zu den wichtigen Dingen: Die Lesungen aus „Schweigen die Täter, reden die Enkel“ können stattfinden:

Donnerstag, 15. März, 19.30 Uhr, Ev. Kirche Panitzsch (bei Leipzig)
Freitag, 16. März, 20.00 Uhr, Wurzen, Domplatz 5
Dienstag, 20. März, 19.30 Uhr, Chemnitz, Evangelisches Forum (Tage der jüdischen Kultur)

Zu den Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse demnächst mehr.

Bis die Tage
UvS

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„Eigentlich …

… möchte ich ganz anders sein. Aber ich komme so selten dazu.“ Hat Ödön von Horvath mal gesagt. Ich möchte eigentlich nicht unbedingt anders sein, aber woanders. Zum Beispiel in Krakau. Aber, um noch eine weitere Geistesgröße (John Lennon) zu zitieren: „Leben ist das, was geschieht, wenn man gerade ganz andere Pläne gemacht hat.“

Und so habe ich mich dem Schicksal ergeben und mich ins Bett gelegt, um die fiebrige Erkältung auszukurieren, die mich vor knapp zwei Wochen erwischt hat. Deshalb konnte auch am 28. Februar die Lesung in Panitzsch nicht stattfinden. Aber – gute Nachricht: Der neue Termin steht bereits fest: Donnerstag, 15. März, 19.30 Uhr. Dann bin ich hoffentlich wieder fit – und zwischendurch für ein paar Tage in Krakau gewesen.

Gute Besserung und immer das polnische Sprichwort beherzigen: Zimna woda, zdrowia doda!
UvS

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