Monatsarchiv: Juli 2007

Die Weite vorm offenen Kamin

In den vergangenen drei Jahren bin ich leider wegen anderweitiger Verpflichtungen kaum zum Schreiben gekommen. Einen Text habe ich jedoch geschrieben – und er zählt zu den Texten, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Zu Lesen ist er in dem Buch „Familienstand Single“, das soeben in zweiter Auflage im Wichern-Verlag erschienen ist.

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Zu Lesen ist er aber nun auch hier, denn es sind nur noch wenige Tage, da wird er gewissermaßen ein Dokument eines vergangenen Lebensabschnitts sein.

Es grüßt aus meinem Krakauer Büro, dem Café Kolory
UvS

Die Weite vorm offenen Kamin

Du sitzt in einer urigen Kneipe, das Kaminfeuer brennt behaglich. Außer dir und deinen Freunden sind keine anderen Gäste da, ihr seid unter euch, Männer, wie der Volksmund sagt, im besten Alter. Ihr trinkt, esst, redet, esst, trinkt, es ist gemütlich. Ihr habt alles, was ihr braucht: Frisch gezapftes Pils, der Wirt hat Bob Dylan eingelegt (extra für euch; es ist niemand da, den es stören könnte), Jägerschnitzel mit Pommes, Rauchware, einen bequemen Stuhl. Und ihr habt Zeit und Ruhe. Zum Reden. Ungestört, niemand fällt euch ins Wort, niemand weiß alles besser, ihr dürft das kleine Wörtchen „man“ verwenden, ohne dass euch jemand darauf hinweist, dass „man“ diskriminierend sei, weil es klinge wie „Mann“ und folglich mehr als die Hälfte der Menschheit von vornherein ausschließe. Weiterlesen

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Starke Nerven

Leider immer noch aktuell ist dieser Vortrag, den ich vor über fünf Jahren auf dem Colloqium Opole gehalten habe: „Das Bild von Polen und Tschechen in den deutschen Medien“, lautete damals das Thema. Erschienen ist er in dem Buch Colloqium Opole 2001 – Lęki i obawy przed procesem jednoczenia się Europe, Opole 2002. Die deutsche Fassung ist ja schon auf meinem Blog zu lesen, aber nun ist auch die polnische Fassung zugänglich: Obraz Polaków i Czechów w mediach niemieckich.

Obraz Polaków i Czechów w mediach niemeckich.pdf

Gewiss sind die Kaczynski-Brothers nicht die angenehmsten Vertreter des polnischen Volkes, aber was in deutschen Medien in den vergangenen Wochen über Polen zu lesen, zu sehen und zu hören war, das war doch gelegentlich tief aus der Klischeekiste geholt. Bis auf Ausnahmen haben allerdings auch die polnischen Zeitungen eine Menge Blödsinn verzapft.

„Das neue Problem, das wir miteinander haben, sind die Medien“, schreibt der Chefkommentator von Polityka, Adam Krzeminski, in einem Beitrag für Publik Forum. „Sie befinden sich in einer Marktkrise und sind daher allzu oft für billigen Populismus und die Reaktivierung plumper Feindbilder zu haben. Fakt und Bild, Wprost und Spiegel haben sich willig Bälle einer negativen Emotionalisierung zugespielt. Und hinzu kommt das Fernsehen mit seinen 90-Sekunden-Beiträgen und Klischees.“

Von Krzeminski ist ein sehr lesenswerter Beitrag hier zu finden – ein Beitrag über die „schwierige deutsch-polnische Vergangenheitspolitik“.

Vermutlich hat Krzeminski Recht, wenn er schreibt: „Wir befinden uns in einer Übergangsphase, die von allen Beteiligten starke Nerven erfordert.“

In diesem Sinne und demnächst wieder mehr – aus dem Kolory in Krakau 🙂
UvS

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