Monatsarchiv: September 2008

Friedrich Flick …

… war einer der reichsten Männer Deutschlands – vor dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Zweiten Weltkrieg. Sein unermessliches Vermögen erwarb er auch dank 50.000 Zwangsarbeitern, die in seinen Werken beschäftigt waren. Ungefähr 10.000 von ihnen sollen wegen der unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen gestorben sein. Die Historiker sind sich einig: Flick (1883 bis 1972) wusste darüber Bescheid. Wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Plünderung von öffentlichem und Privateigentum und Unterstützung der verbrecherischen Tätigkeit der SS wurde er im Dezember 1947 in den Nürnberger Prozessen zu sieben Jahre Haft verurteilt („Flick-Prozess“); bereits 1950 wurde er jedoch von den Amerikanern begnadigt.


Flick als Angeklagter in Nürnberg (Quelle: Staatsarchiv Nürnberg, Rep. 501 KV-Prozesse Generalia Q-3)

Flick hat sich stets geweigert, an die überlebenden Zwangsarbeiter eine Entschädigung zu zahlen. Seinem Geburtsort Kreuztal im südwestfälischen Siegerland gegenüber hielt er sich jedoch schadlos: Das Mitglied des Freundeskreis-Reichsführer-SS spendete 1968 der Stadt drei Millionen DM für ein Gymnasium. Der für die Architektur dieser Zeit typische Betonbau trägt bis heute seinen Namen.

Wenn ich in Polen oder in der Ukraine erwähnt habe, dass ich Schüler eines Friedrich-Flick-Gymnasiums gewesen bin, war die Reaktion: ungläubiges Entsetzen. Niemand konnte verstehen, dass in Deutschland eine Schule nach einem verurteilten Kriegsverbrecher benannt wird. Als ehemaliger Schüler des Flick-Gymnasiums (1974 bis 1982) unterstütze ich daher die Initiative Flick ist kein Vorbild, die für eine Umbenennung der Schule kämpft. Auf welch beschämendem Niveau manche Kreuztaler CDU-Stadtverordnete argumentieren, wird in deren Stellungnahmen deutlich, die auf der Homepage dokumentiert sind. Die Herren behaupten, das Flicks Zwangsarbeiter „ordentlich behandelt“ worden seien und fordern einen Schlussstrich.

Zur Lektüre empfohlen:
Johannes Bähr/Axel Drecoll/Bernhard Gotto/Kim Christian Priemel/Harald Wixforth (2008): Der Flick-Konzern im Dritten Reich. ISBN: 9783486586831, Oldenbourg, 1018 S., 64,80 Euro.

Es grüßt, der Initiative Flick ist kein Vorbild viel Erfolg wünschend
UvS

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Die Lesungen …

… am 11. September in Riesa und am 13. September in Markkleeberg müssen leider wegen Erkrankung des Autors entfallen.

Aus aktuellem Anlass an dieser Stelle ein Link mit hilfreichen Gedanken zum Thema Tinnitus: ein Interview der Deutschen Tinnitus-Liga mit dem Theologen und Psychotherapeuten Eugen Drewermann. Es steht unter der Überschrift: Auf sich selber hören! Über den Sinn von Tinnitus.

Es grüßt
UvS

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