Monatsarchiv: September 2010

Brandneu: Leben mit und ohne Gott – Beiträge zur Inneren Sicherheit


Neu: Leben mit und ohne Gott

Gibt es Gott? Antworten auf die Sinnfrage mit Beiträgen von Manfred Lütz, Bodo Ramelow, Burkhard Müller, Henryk M. Broder u.v.a.

Der großartige Matthias Beltz bemerkte einmal: »Die einen sagen, dass Gott existiert, die anderen, dass Gott nicht existiert. Die Wahrheit wird, wie so oft, in der Mitte liegen.« Inzwischen wird der 2002 verstorbene Kabarettist die Antwort kennen. Auf die Frage nach Gott gibt es nicht wirklich einen Kompromiss. Entweder ist er der Schöpfer oder selbst eine Schöpfung – eine literarische Erfindung und nicht mehr als die auf den Himmel projizierte menschliche Sehnsucht. Unabhängig davon aber ist das Bedürfnis nach Transzendenz etwas zutiefst Menschliches, ist doch der Homo sapiens das einzige Wesen, das seine Existenz gedanklich überspringen kann. Der Mensch will wissen, warum er auf Erden ist und was danach kommt. Gerade in unserer – durch Internet, Computer, Handy etc. – rationalisierten Zeit empfinden viele Leute eine irrationale Leere, ein Bedürfnis nach Spiritualität. Sie sehnen sich nach Halt und Geborgenheit, nach Trost und Zuversicht. Gleichzeitig laufen den Kirchen die Mitglieder davon. Und die, die noch zum Gottesdienst gehen, glauben sie wirklich oder spekulieren sie nur? All die Beamten im Talar, könnten sie nicht genauso gut auch Versicherungen verkaufen? Was weiß die Kirche von seelischer Not? Was wissen wir?
Ohne die Frage nach Gott oder Göttern würde es keine Philosophie und keine Theologie geben, in den Bibliotheken stünden viele Regale leer. Von daher verwundert es, dass es bei der Vielzahl religiöser und antireligiöser Literatur bislang – zumindest im deutschen Sprachraum – keinen Sammelband gibt, in dem beide Seiten zu Wort kommen. Genau darum geht es in diesem Buch. Um nicht mehr, aber auch um nicht weniger. Zwei Jahre lang haben wir, die Herausgeber, gläubige und nicht-gläubige Autoren um Essays gebeten. Warum nicht um und über Gott streiten? Was uns wiederum verwundert hat: Es war kein Problem, sogenannte Ungläubige zum Schreiben zu bewegen, aber unter den sogenannten Gläubigen herrscht offensichtlich eine große Sprachlosigkeit. Zahlreiche Angefragte aus beiden großen Kirchen haben nicht einmal auf das Anschreiben geantwortet; sie hatten nicht das Kreuz, an diesem Projekt mitzuwirken. Immerhin wurde uns für unser Vorhaben des Öfteren bischöflicher Segen zuteil. Von den Kirchenoberen in den Ring gestiegen ist aber nur Axel Noack, der evangelische Altbischof aus Magdeburg. So kommt es, dass sich auf den vorliegenden Seiten vor allem eine engagierte Kirchenbasis dem Dialog mit führenden Vertretern des neuen Atheismus in Deutschland stellt. Vor diesem Hintergrund, aber auch in Anbetracht drängender irdischer Probleme wie weltweiter Armut, Umweltzerstörung und religiös motivierter Auseinandersetzungen in vielen Regionen der Erde zieht sich außerdem eine andere Frage einem roten Faden gleich durch dieses Buch: Halten wir einander aus?
Am Ende des Projekts waren wir selber erstaunt: Die Gläubigen erzählen meist sehr persönlich von ihrem Leben mit Gott und lassen uns auch an ihren Zweifeln teilhaben. Der Zweifel gehört offensichtlich zum Glauben wie das Amen zum Gebet. Promovierte und habilitierte Ungläubige üben sich hingegen häufig in den unterschiedlichsten Theorien – und glauben vielleicht nur, dass sie nicht glauben. Manchmal scheint es sogar, als würden sich beide Seiten ergänzen, als würden sich – in der Sprache des Historischen Materialismus – eine christlich-jüdische Basis und ein atheistischer Überbau nicht in einem grundsätzlichen Widerspruch befinden: »Gott sei Dank, dass ich Atheist bin«. Hinzu kommt eine dritte Gruppe: Einige Autoren, die nicht so recht
sagen können, ob und an wen sie glauben, dafür beim Schreiben aber einen Heidenspaß hatten. Das Vergnügen, dass die Autoren uns Herausgebern beim Lesen ihrer Texte bereitet haben, wünschen wir jetzt auch den Lesern dieses Buches. Ob Gott nun existiert – auf diese Frage gibt es auch hier keine letztgültige Antwort. Doch eines scheint sicher: »Wenn es keinen Gott gäbe, so müsste man ihn erfinden« (Voltaire).
Karsten Krampitz, Uwe von Seltmann
Klagenfurt und Krakau im August 2010

Exklusiv und (fast) nur hier: Das Inhaltsverzeichnis und die Autoren.

Buchvorstellungen:

23. September, 20 Uhr, Klagenfurt, Jazzclub Kammerlichtspiele am Kardinalsplatz – Mit dabei: Der Singende Tresen (Berlin)

24. September, 20 Uhr, Villach, Evangelische Kirche Stadtpark – wieder mit dabei: Der Singende Tresen (Berlin)

Grüß Gott!
UvS

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Totentanz in Kazimierz – Taniec Śmierci na Kazimierzu – Dance of Death in Kazimierz

Totentanz - Béla Faragó

Eine fantastische Ausstellung ist noch bis 30. September im Centrum Judaicum im Krakauer Stadtviertel Kazimierz zu sehen: Totentanz – Taniec Śmierci – Dance of Death – Danse macabre mit 61 Zeichnungen des Nürnberger Künstlers Béla Faragó, präsentiert von der Galerie Destillarta, Buchschwabacher Mühle.

Béla Farago, Totentanz

Béla Faragó schildert mit zeichnerischen Mitteln, wie nah wir Lebenden dem Tode sind. Da tanzen Gerippepaare einen ekstatischen Tanz, einem ungarischen Csárdás gleich. Einige musizieren dabei. Der Künstler reiht sich mit einem solchen Sujet in eine Tradition ein, die in der Malerei um 1400 begann und im Westen Europas Verbreitung gefunden hat. ….[Leppin, Volker: „Totentanz“]. Grafisch ist die Kunst Béla Faragós nur am Beginn ihres Entstehens. Bei ihm steht am Anfang die Zeichnung. Er zeichnet mit der Feder auf getöntem Papier. Dem folgt die farbliche Gestaltung des Blattes mit lavierter Tusche, Wasserfarbe, Deckweiß oder Kreide.

Der Totentanz ist aktuell! Es ist weniger – um es mit Rainer Maria Rilke zu sagen – „der große Tod, den jeder in sich hat“, sondern vielmehr der kollektive Tod in der vermeintlich zivilisierten Welt. Faragó beschäftigt sich damit: von der Niederschlagung des Boxeraufstands in China (1900) bis zum Ersten Weltkrieg; von der Hinrichtung von Delinquenten bis zum Sturmangriff; von der Erblindung von Soldaten bis zum Bombardement ganzer Städte. Es sind Mehrfigurenbilder voller Düsternis und Blut. Die Himmel brennen oder sind vergiftet. Die Blätter sind frei gezeichnet, ohne Hang zum Detail. Das Grauen schlägt uns entgegen: Berge von Toten im Konzentrationslager; brennende Dörfer in Polen; Hubschrauber in Vietnam; brennende Ölfelder in Kuwait; der technisch perfektionierte Tod als Flugzeugträger und schließlich der zynische „saubere Tod“ modernster Waffentechnik im Fadenkreuz.

Der Totentanz ist alles andere als ein heiteres Sujet, und wir leben in einer alles andere als heiteren Welt. Béla Faragós Totentanz geht an ihr nicht vorbei. Wer nur das Schöne um seiner selbst Willen sucht, wird am Totentanz kaum Freude haben. Man mag sich damit trösten, dass die Kunst zwar für alle da ist, aber nicht jede Art von Kunst für jeden. Bei aller künstlerischen Eigenständigkeit löst sich Béla Faragó nicht von der Kunstgeschichte los. Vielmehr fühlt er sich als Glied einer Kette, die vor ihm begann und nach ihm noch sein wird. Ebenso wenig will sich der Künstler aus dem Menschsein lösen, aus dem Mord und Todschlag offenbar nicht zu tilgen sind. Béla Faragó malt dagegen an; es ist seine Art zu kämpfen.
© Dr. Claus Pese

Belá Faragó, 1958 in Kiskunfélegyhaza/Ungarn geboren, ist einer der interessantesten und sympathischsten Menschen, denen ich in letzter Zeit begegnet bin.

Weitere Informationen: Europäische Totentanz-Vereinigung (ja, die gibt’s wirklich!)

Es grüßt – Gott sei Dank lebendig und munter 🙂
UvS


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