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Wir sind da! – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Foto: Gabi von Seltmann, März 2021

Das Buch zum Jubiläumsjahr »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«

Im Jahr 321, vor 1700 Jahren, wurden zum ersten Mal Juden auf deutschen Territorien urkundlich erwähnt. Das Buch zum Jubiläumsjahr 2021 zeigt die Vielfältigkeit des gegenwärtigen jüdischen Lebens und erzählt die reichhaltige Geschichte des deutschen Judentums von den Anfängen im Mittelalter über den langen Kampf um Gleichberechtigung und den schwierigen Neuanfang nach der Schoah bis heute. Unter dem Motto »Wir sind da« – entnommen einem Liedtext des jiddischen Dichters Leyb Rozenthal – will es Antworten auf die aktuellen Fragen der jüdischen Community anbieten: Wer sind wir? Woher kommen wir? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Gibt es eine deutsch-jüdische Kultur? Kann es ein »normales jüdisches Leben« in einem Land geben, das sechs Millionen ermordete Jüdinnen und Juden auf dem Gewissen hat und bis heute nicht frei von Antisemitismus ist?

Zahlreiche Abbildungen und biografische Porträts jüdischer Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Epochen illustrieren den Reichtum der 1700-jährigen Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland.

Vorworte von der Autorin und Bloggerin Linda Rachel Sabiers und von Dr. Matthias Schreiber, dem Vorsitzenden des Vereins 321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.

Das Buch ist im wunderbaren homunculus verlag (Erlangen) erschienen.

Informationen des Verlags:

https://homunculus-verlag.de/produkt/wirsindda/

Eine Leseprobe gibt es hier:
https://view.publitas.com/homunculus-verlag/uwe-von-seltmann-wir-sind-da-leseprobe/page/7

Titelseite von Wir sind da!

Stimmen

»Fesselnd geschrieben.«
»Facettenreich wird hier in Überblicken wie in vielen Porträts die Geschichte aufgefächert; die jüdische Community bekommt ein Gesicht: fesselnd geschrieben, solide recherchiert und in die Tiefe gehend. Das Buch wird zu einem Standardwerk werden.«
Börsenblatt des Deutschen Buchhandels (08.04.2021)

»Das Buch ist ein Schmuckstück besonderer Art.«
Prof. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident a.D.

»Das perfekte Buch zum Festjahr 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland«
»Wir sind da! – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland (…) ist ein 340 Seiten starkes, einigermaßen schweres Paperback und es ist leicht und wunderbar zu lesen. Eher ein Buch der Geschichten, als ein Geschichtsbuch. Nicht nur für einschlägig Interessierte, auch für alle die mit Lernen und Schule zu tun haben, ist es eine Fundgrube mit vielen Portraits bekannter und unbekannterer Jüdinnen und Juden, Bildern, Kästen zu Einzelfragen, in einem Fließtext, der anschaulich und ungeheuer kenntnisreich jüdisches Leben heute und über viele Jahrhunderte schildert. Es ist – mit einem Wort – das perfekte Buch zum Festjahr 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland.«
Almut Engelien, NDR Info (12.03.2021)

»Schon jetzt ein Standardwerk«
»Es ist ein atemberaubender Durchgang durch die jahrhundertealte Geschichte des Jüdischen in unseren Breiten – höchst lehrreich, nie langweilig und stets auch die hiesige Gegenwart jüdischen Lebens beschreibend. So entsteht ein kunstvolles Kippbild, in dem sowohl die tiefen und vielfältigen jüdischen Spuren in der deutschen Historie freigelegt werden als auch ihre vitalen Ausprägungen heute in den Blick geraten. Dieses Buch ist kein Grabstein für das Gedenken an Früheres, sondern ein Füllhorn lebendiger Geschichte in Geschichten, das den Reichtum und die Vielfalt deutsch-jüdischer Vergangenheit und Gegenwart zum Leuchten bringt. … Das Buch ›Wir sind da!‹ von Uwe von Seltmann ist schon jetzt ein Standardwerk, das sowohl historisch profund wie allgemeinverständlich eine Zusammenschau des jüdischen Weges in Deutschland bietet. Es füllt damit eine Lücke. Denn während es zu einzelnen Spezialthemen und Epochen jüdischen Lebens in Deutschland durchaus ausführliche Literatur gibt, ist das Erzählen vom hiesigen Judentum in Zusammenhängen bisher wenig versucht worden.«
Stefan Seidel, Der Sonntag (21.02.2021)

»Reise durch eine schillernde Welt«
»Wir sind da« (…) bietet im besten Sinne einen Abriss der jüdischen Kultur und Sozialgeschichte in Deutschland, leicht lesbar und fesselnd geschrieben. Sein größter Pluspunkt: Uwe von Seltmann liefert in mehreren Einschüben Kurzbiografien bedeutender wie unbekannter Denker, Künstler und Forscher, weckt mit Erklärungen zu Religion, Brauchtum und Phänomenen wie dem Davidstern am Wirtshaus oder dem siebten Wochentag als Ruhetag das Interesse des Lesers an scheinbar alltäglichen Gebieten. (…) Wer in die schillernde und auch widersprüchliche Welt des Jüdischen (sic!) Geistes eintauchen will, hat mit diesem reich illustrierten und reizvoll aufgemachten Buch einen sehr brauchbaren Atlas und Wegweiser.«
Erlanger Nachrichten (24.03.2021)


»Viele Illustrationen und Anekdoten machen die Lektüre zu einer spannenden Entdeckungsreise zu einem oft unbekannten jüdischen Leben mitten unter uns.«
Unsere Kirche (28.03.2021)


»Das neue, große Buch ist Lese-, Geschichten- und Geschichtsbuch zugleich.«
Westfalenpost/Westfälische Rundschau (02.04.2021)

Digitaler Buchtalk

Ein wunderbares Gespräch zur Veröffentlichung von Wir sind da! mit Shelly Kupferberg, Linda Rachel Sabiers und Dr. Matthias Schreiber.

Interviews

Lesart – Deutschlandfunk Kultur (Sendung vom 3.04.2021)

Schabat Schalom – das Magazin (Sendung vom 12.03.2021)

https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4076.html

Autor Uwe von Seltmann: Impfstoff gegen Antisemitismus nötig! (epd- Meldung vom 26.03.2021)

https://www.evangelisch.de/inhalte/184209/26-03-2021/autor-uwe-von-seltmann-impfstoff-gegen-antisemitismus-noetig

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Brandneu und brandaktuell: Es brennt – Mordechai Gebirtig

Wenn die Geschichte anders verlaufen wäre und nicht Millionen Juden mitsamt ihrer Kultur vernichtet worden wären, so der italienische Künstler Rudi Assuntino, wäre der jiddische Dichter Mordechai Gebirtig heute so populär wie die Gershwin-Brüder. Gebirtig, auch der »Vater des jiddischen Liedes« genannt, wurde 1942 im Krakauer Ghetto von Nationalsozialisten ermordet. Doch rund 170 seiner Gedichte und Lieder haben die Shoah überlebt. Heute wie damals sind sie ein bedeutendes Zeugnis jüdisch-europäischer Kultur und werden weltweit von namhaften Künstlern gesungen und interpretiert. Gebirtigs bekanntestes Lied S’brent (Es brennt) war während der NS-Zeit die inoffizielle Hymne jüdischer Widerstandskämpfer, heute wird es in Israel zu jedem Holocaust-Gedenktag angestimmt.

Es brennt ist die erste deutschsprachige Biografie Mordechai Gebirtigs – eine Pionierarbeit und ein Buch gegen das Vergessen. Viele Lieder Gebirtigs habe ich zum  ersten Mal ins Deutsche übertragen. Aus Archiven in Europa, Israel und den USA habe ich zahlreiche neue Entdeckungen zu Leben und Werk des Krakauer Poeten zusammengetragen. Liedbeispiele, Fotos, Zeitdokumente und Faksimiles illustrieren dieses Buch und machen es für Einsteiger wie Kenner zu einer faszinierenden Reise ins Jiddischland.

For English please scroll down.

Uwe von Seltmann – Es brennt – Kapitel 1

Interview_Es-brennt

Weitere Informationen beim homunculus-Verlag.

Ein Auszug aus dem Buch auch in der Wochenzeitung Der Sonntag.

Stimmen

»Eine monumentale Biografie Gebirtigs. … Diese bis ins letzte Bilddokument überreiche, mit Liebe zusammengestellte Biografie führt vor, wie der Volkssänger Gebirtig in diesen Kreisen wie ein Heiliger verehrt wurde … dass damit dem vergessenen Gebirtig späte Ehre zuteil wird, ist nicht genug zu loben.« – Dirk Schümer in der Literarischen Welt vom 26.01.2019

»Gebirtigs Lebensgeschichte wird von Uwe von Seltmann auf eindrucksvolle Weise erzählt, mit unzähligen Details, die er in Archiven gefunden hat, mit vielen Fotos, Dokumenten und Faksimiles, mit Liedern und Gedichten, die hier teilweise erstmals in deutscher Übersetzung präsentiert werden. Und dennoch passt die Bezeichnung ›Biographie‹ zu diesem vierhundert Seiten starken, großformatigen Band nur bedingt. Es ist vielmehr eine literarische ›Reise ins Jiddischland‹, wie Seltmann es selbst bezeichnet, die von seiner Entwicklung und deren politischen Hintergründen, den Sitten, der Sprache und Atmosphäre erzählt.« – Marta Kijowska in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 06.02.2019

»Es ist bereichernd, es ist erschütternd zu lesen und es inspiriert zu einer Exkursion in das Jiddischland, auch wenn man damit noch nicht vertraut ist. Ein reiches Buch, ein sehr schönes Buch. … Ein Mosaik, das in die Zeit zurück führt und durch die emotionale Verbindung auch eine ganz besondere historische Tiefenschärfe erlaubt.« – SRF 2019

»Uwe von Seltmann entwirft mit Es Brennt! nicht nur ein beeindruckendes Panoptikum einer vergangenen Zeit, sondern einen sehr eindrücklichen Appell, diese Zeiten nicht zu unserer eigenen Gegenwart zu machen. … Sowohl typografisch, als in der Platzierung von Bildmaterial sowie im Umgang mit Lesefluss ein Buch-Highlight.« – Simone Scharbert (Fixpoetry.com) 2018

»Von Seltmann hat intensiv recherchiert, weltweit Zeitzeugen und Dokumente aufgespürt sowie viele von Gebirtigs Liedern erstmals ins Deutsche übersetzt – wobei er die jiddische Version immer dazu abdruckt und so einen reichen Eindruck dieser heute praktisch nicht mehr gesprochenen Sprache gibt. Daraus webt er ein umfassendes Bild, das den Dichter als Arbeiter-Revolutionär im Kampf um menschenwürdige Lebensbedingungen, als feinfühligen Melancholiker, als sprachmächtigen Bewahrer seiner jiddischen Muttersprache und als zähen Kämpfer für die reiche Kultur der jüdischen Bevölkerung zeigt. … Entstanden ist ein echtes Fundstück, nicht nur für Klezmer-Liebhaber und Gebirtig-Kenner.« – Nürnberger Nachrichten vom 17.12.2018

»Es scheint nicht übertrieben, wenn von Seltmanns Buch als Pionierarbeit bezeichnet wird. Akribisch hat der Autor Archive in Europa, Israel und den USA nach Zeugnissen aus dem Leben Gebirtigs durchforstet. … Ein Versuch, das Vermächtnis von Mordechai Gebirtig und die jiddische Sprache vor dem Vergessen zu bewahren.« – Jüdische Allgemeine 2019

»Dieses Buch ist ein Lebenswerk über ein Lebenswerk und ein Leben.« – Inskriptionen 2019

»Mordechai Gebirtig hat als Liedermacher der Nachwelt ein einzigartiges Werk hinterlassen: Er hat über 40 Jahre lang das jüdische Leben in Osteuropa in allen Facetten des Alltags, von Sorgen um das tägliche Brot über Sehnsucht nach dem goldenen land bis hin zum Widerstand gegen den Faschismus in Liedern und Gedichten zum Ausdruck gebracht, die folkstimlikh im wahrsten Sinnes des Wortes sind. Uwe von Seltmann ist es in herausragender Weise gelungen, Leben, Leiden und Werk des Mordechai Gebirtig so zu erzählen, dass der Leser bereits nach den ersten Sätzen sich auf einer Reise ins yiddish land befindet. 200 abgedruckte Liedbeispiele verleihen dem zinger fun noyt eine Stimme und machen dieses großartige Buch zu einem Standardwerk des jiddischen Liedes und des jüdischen Lebens in kroke.« – Dr. Bertram Nickolay, Berlin, Initiator und Mit-Herausgeber der Jiddisch-Musik Anthologie Sol Sajn

»Es brennt ist ein wichtiges und wunderbares Buch, das mir sehr nahe gegangen ist. Über die unfassbare Tragik des Lebens von Mordechai Gebirtig und des osteuropäischen Judentums hinaus ist es ein Zeugnis eines wunderbaren Menschen. Gebirtigs ganz andere Vorstellung von Vergeltung und seine tiefe Liebe zu den Menschen sind tief beeindruckend. Bisweilen haben mich Gebirtigs einfühlsame Texte und Melodien an Gundermann erinnert, der ebenfalls ein einfacher Arbeiter war und zugleich doch so weise. Gratulation zu einem Buch, das auch von der Aufmachung her sehr hochwertig ist.« – Stefan Seidel, Leitender Redakteur Der Sonntag (Leipzig)

»Uwe von Seltmann lässt Mordechai Gebirtig in seiner Biografie wieder lebendig werden.« – Der Gäubote (Herrenberg)

»Uwe von Seltmann hat ein wunderbares Buch über Mordechai Gebirtig und seine Lebenswelt geschrieben. Er zeichnet nicht nur die Biografie des großen Liedermachers nach, sondern macht auch Zusammenhänge, Hintergründe, Vernetzungen, soziale Verhältnisse und historische Entwicklungen deutlich. Ich habe selten ein Buch zur jüdischen Geschichte in Osteuropa gelesen, dem es so eindrücklich gelungen ist, die Atmosphäre im Jiddischland spürbar werden zu lassen. Das Buch klärt auf – und geht zugleich zu Herzen.« – Prof. em. Dr. Heiko Haumann, Departement Geschichte, Universität Basel

»Uwe von Seltmann hat das Leben eines Mannes der drohenden Vergessenheit entrissen, der nicht zuletzt mit seinen Liedern anderen Hoffnung gab. Selbst im Ghetto schrieb Gebirtig bis kurz vor seinem Tod weiter. Von Seltmann will nicht nur an Gebirtig erinnern, sondern an die reiche jiddische Kultur insgesamt.« – Märkische Oderzeitung (Frankfurt/Oder)

»Eine Pionierarbeit und ein Buch gegen das Vergessen. Liedbeispiele, Fotos, Zeitdokumente und Faksimiles illustrieren dieses Buch und machen es für Einsteiger und Kenner zu einer faszinierenden Reise ins Jiddischland.« – Reutlinger General-Anzeiger

»Das wunderbare Buch über Mordechai Gebirtig hat mich berührt und belehrt zugleich. Es erweckt anhand der Lebensgeschichte und des Werkes dieses großartigen Dichters eine in Europa weitgehend untergegangene Welt wenigstens in Buchform wieder zum Leben. Ich bin stark beeindruckt von der Tiefe der Recherchen und der dennoch sehr eingängigen Art der Darstellung. Auch die Aufmachung des Buches mit zahlreichen zeitgenössischen und aktuellen Illustrationen sowie vielen Liedbeispielen ist sehr gelungen.« – PD Dr. Tobias Weger (IKGS München)

Born in 1877 in the Jewish district of Kazimierz in Kraków, Mordechai Gebirtig was killed by Germans in the Kraków Ghetto on June 4, 1942. Making a living working as a carpenter, he saw himself as a zinger fun noyt (Singer of need). His best-known song, s’brent, undzer shtetl brent (It’s Burning, Our Town Is Burning) – a prophetic vision of the nightmare to come – was the unofficial hymn of the ghetto uprisings and the Jewish partisans. S’brent and other songs like kinder-yorn, arbetloze-marsh, or blayb gezunt mir, kroke have survived the Shoah and are performed to this day by renowned artists from all over the world. Gebirtig’s legacy chronicles not only melodies and lyrics, but also descriptions of Jewish life in Poland, recounting struggles with poverty, hunger, violence, despair and resistance.

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Mordechai Gebirtig – Es brennt (S’brent)

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https://www.startnext.com/es-brennt

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Totentanz in Kazimierz – Taniec Śmierci na Kazimierzu – Dance of Death in Kazimierz

Totentanz - Béla Faragó

Eine fantastische Ausstellung ist noch bis 30. September im Centrum Judaicum im Krakauer Stadtviertel Kazimierz zu sehen: Totentanz – Taniec Śmierci – Dance of Death – Danse macabre mit 61 Zeichnungen des Nürnberger Künstlers Béla Faragó, präsentiert von der Galerie Destillarta, Buchschwabacher Mühle.

Béla Farago, Totentanz

Béla Faragó schildert mit zeichnerischen Mitteln, wie nah wir Lebenden dem Tode sind. Da tanzen Gerippepaare einen ekstatischen Tanz, einem ungarischen Csárdás gleich. Einige musizieren dabei. Der Künstler reiht sich mit einem solchen Sujet in eine Tradition ein, die in der Malerei um 1400 begann und im Westen Europas Verbreitung gefunden hat. ….[Leppin, Volker: „Totentanz“]. Grafisch ist die Kunst Béla Faragós nur am Beginn ihres Entstehens. Bei ihm steht am Anfang die Zeichnung. Er zeichnet mit der Feder auf getöntem Papier. Dem folgt die farbliche Gestaltung des Blattes mit lavierter Tusche, Wasserfarbe, Deckweiß oder Kreide.

Der Totentanz ist aktuell! Es ist weniger – um es mit Rainer Maria Rilke zu sagen – „der große Tod, den jeder in sich hat“, sondern vielmehr der kollektive Tod in der vermeintlich zivilisierten Welt. Faragó beschäftigt sich damit: von der Niederschlagung des Boxeraufstands in China (1900) bis zum Ersten Weltkrieg; von der Hinrichtung von Delinquenten bis zum Sturmangriff; von der Erblindung von Soldaten bis zum Bombardement ganzer Städte. Es sind Mehrfigurenbilder voller Düsternis und Blut. Die Himmel brennen oder sind vergiftet. Die Blätter sind frei gezeichnet, ohne Hang zum Detail. Das Grauen schlägt uns entgegen: Berge von Toten im Konzentrationslager; brennende Dörfer in Polen; Hubschrauber in Vietnam; brennende Ölfelder in Kuwait; der technisch perfektionierte Tod als Flugzeugträger und schließlich der zynische „saubere Tod“ modernster Waffentechnik im Fadenkreuz.

Der Totentanz ist alles andere als ein heiteres Sujet, und wir leben in einer alles andere als heiteren Welt. Béla Faragós Totentanz geht an ihr nicht vorbei. Wer nur das Schöne um seiner selbst Willen sucht, wird am Totentanz kaum Freude haben. Man mag sich damit trösten, dass die Kunst zwar für alle da ist, aber nicht jede Art von Kunst für jeden. Bei aller künstlerischen Eigenständigkeit löst sich Béla Faragó nicht von der Kunstgeschichte los. Vielmehr fühlt er sich als Glied einer Kette, die vor ihm begann und nach ihm noch sein wird. Ebenso wenig will sich der Künstler aus dem Menschsein lösen, aus dem Mord und Todschlag offenbar nicht zu tilgen sind. Béla Faragó malt dagegen an; es ist seine Art zu kämpfen.
© Dr. Claus Pese

Belá Faragó, 1958 in Kiskunfélegyhaza/Ungarn geboren, ist einer der interessantesten und sympathischsten Menschen, denen ich in letzter Zeit begegnet bin.

Weitere Informationen: Europäische Totentanz-Vereinigung (ja, die gibt’s wirklich!)

Es grüßt – Gott sei Dank lebendig und munter 🙂
UvS


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